Das Projekt

FlüGGe unterstützt Menschen und Gemeinden, um Möglichkeiten zu schaffen, die die Chancengerechtigkeit ALLER fördern. Damit ist gemeint, dass für ALLE, in einer Gesellschaft lebenden Menschen, die gleichen Bedingungen gelten müssen. Dafür braucht es aber auch die Beteiligung ALLER Menschen – mit ihren unterschiedlichsten Meinungen, Visionen, Wünschen und Ängsten. Denn sie sind die Expertinnen und Experten für ihr Wohlbefinden, für ihr Leben und ihre Gemeinde. FlüGGe will vor allem die leisen Stimmen, Minderheiten und Randgruppen in die Mitte des wärmenden Feuers einer lebendigen Gemeinde holen.

Speziell Menschen mit Fluchtgeschichten stehen derzeit im Rampenlicht der Berichterstattung. Die Präsenz einer weiteren – noch dazu für viele sehr fremden – Minderheit in einer Gemeinde, bedeutet für alle zusätzliche Herausforderungen. Gemeindeverantwortliche stehen oft in dem Spannungsfeld von ehrenamtlich, sozial Engagierten einerseits, und andererseits Bürgerinnen und Bürgern, die dem unbekannten Neuen mit großer Sorge begegnen. Dieses Spannungsfeld kann schnell zu einer Polarisierung und zu einem gesteigerten Konfliktpotential innerhalb der Gesellschaft führen.

FlüGGe will entspannt und auf Augenhöhe einen Beitrag leisten, dass alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, sich aktiv an der Gestaltung des Gemeindelebens zu beteiligen.

Nicht die Herkunft oder eine Zugehörigkeit stehen im Mittelpunkt, sondern Bedürfnis und Bedarf.

Ein kleines Beispiel:
Eltern von Flüchtlingskinder können sich die Nachmittagsbetreuung nicht leisten.  Eine Unterstützung ist notwendig. Gleichzeitig gibt es auch andere Familien in der Gemeinde, die sich eine Lernbetreuung ebenfalls nicht leisten können. Hier lautet der FlüGGe-Ansatz: Wir finden gemeinsam eine Lösung für ALLE Kinder in der Gemeinde, die Unterstützung brauchen. Herkunft, Religion uvm. spielen keine Rolle – allein das Bedürfnis und der Bedarf zählen.

Diese Herangehensweise hilft sehr, Gefühle von Ausgrenzung und Benachteiligung in der Bevölkerung hintanzuhalten und trägt somit zur Entspannung einer Gesellschaft bei, was wiederum den Asylwerbenden hilft, sich in ihrer neuen Gemeinde zu integrieren.

Die bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt zeigen, dass die Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten meist sehr ähnliche Bedürfnisse haben, diese jedoch in der Wahrnehmung der Betroffenen immer einzigartig sind.

Daher:

Menschen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen – zuhören – reden – Probleme offen und wertschätzend ansprechen.

Ganz gemäß dem Motto: „Durch´s Reden, kommen die Leut z’am!“

 

Flüchtlinge und Gesundheitsförderung – wie passt das zusammen?

Zuerst – was ist Gesundheit – wie kann man Gesundheit definieren:

Gesundheit ist kein Zustand, sondern eine Verfasstheit (ein Zustand), kein Ideal und nicht einmal ein Ziel. Gesundheit ist ein Weg, der sich bildet, wenn man ihn geht. (Schipperges, 1982)

Gesundheit ist überhaupt nicht nur ein medizinischer, sondern überwiegend ein gesellschaftlicher Begriff. Gesundheit wiederherzustellen, heißt in Wahrheit: den Kranken zu jener Art von Gesundheit zu bringen, die in der jeweiligen Gesellschaft die anerkannte ist, ja in der Gesellschaft erst gebildet wird. (Bloch 1955)

Für gesunde Menschen ist kennzeichnend, dass sie sich frei entwickeln, ihre eigenen Anlagen (Fähigkeiten) und Potenziale (Talente) auf schöpferischem Wege zur Entfaltung bringen. Sie orientieren ihr Verhalten nicht an von außen aufgezogenen oder kritiklos übernommenen Normen und Wertvorstellungen, sondern erreichen die Stufe der eigenen Moral und Selbstverantwortlichkeit für sich und andere.

Was ist Gesundheitsförderung:

  • Analyse und Stärkung von Gesundheitsressourcen und – Potenzialen beim Einzelnen und auf allen politischen Ebenen
  • Veränderung von Lebensverhältnissen und Förderung des individuellen und kollektiven Gesundheitsverhaltens
  • Beeinflussung von Bedingungen, die das Gesundheitsverhalten des Einzelnen und ganzer Bevölkerungen generieren
  • Reduzierung bestehender Ungleichheiten in Gesundheitsstatus und Lebenserwartung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen
  • dem Einzelnen Selbstbestimmung über seine Gesundheit ermöglichen durch Erweiterung seiner Handlungsspielräume

Die sechs Prinzipien der Gesundheitsförderung:

  1. Gesundheits- statt Krankheitsorientierung
    Dreh-und Angelpunkt des Konzepts ist die positive Entfaltung von Gesundheit, nicht allein die Vermeidung von Krankheit
  1. Lebens-und Umweltbezug
    Berücksichtigung der jeweiligen Lebens-, Arbeits-und Umweltbedingungen, mit dem Fokus auf sozial benachteiligte Gruppen
  1. Gemeinwesenorientierung (community approach)
    Beschäftigung mit den konkreten gesundheitsbezogenen Problemlagen im Rahmen einer überschaubaren lokalen Einheit
  1. Empowerment (Übertragung von Verantwortung)
    Die Einzelne, der Einzelne oder Gruppen werden dazu befähigt, selbst mit ihren Problemen umzugehen;
    dafür sind aber auch gezielte Angebote zur Kompetenzerweiterung (Erweiterung der Fähigkeiten) nötig
  1. Prozess-statt Ergebnisorientierung
    Bereits die Durchführung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen stellt einen Wert dar;
    für jede Ausgangslage und Situation gibt es aber die Möglichkeit weiterer Förderung –vollständige Gesundheit ist nie erreicht
  1. Partizipation (Bürger*innenbeteiligung)
    Maßnahmen werden mit den und durch die Betroffenen, nicht für sie geplant und durchgeführt; das schließt die Motivierung zur Aktivität ein, wenn Betroffene Probleme (noch) nicht selbst ansprechen (können)

Die fünf Handlungsfelder:

  • Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik:
    Gesellschaft/ Politik Gesundheitsförderung in den Horizont der Politik bringen
  • Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten: Lebenswelt/Umwelt
    Öffnung, Vernetzung, Nutzung öffentlicher Ressourcen
  • Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen
    Ebene: Organisationen/Institutionen, Organisationsentwicklung
  • Neuorientierung der Gesundheits-und anderer gesundheitsrelevanter Dienste:
    Gruppe
    Teambildung
    Kooperationsformen schaffen
  • Förderung der Entwicklung persönlicher Kompetenzen: Person
    Stärkung der Persönlichkeit, gesunde Lebensweisen ermöglichen und erproben

(Irmtraut Windel, MPH, Landesvereinigung für Gesundheit Nds. e.V., Fenskeweg 2, 30165 Hannover
Tel.: 0511 / 388 11 89 32, Fax: 0511 / 350 55 95, E-mail: irmtraut.windel@gesundheit-nds.de)

Dazu kommt:

Sowohl zunehmend aufgehende soziale Ungleichheit, als auch gesellschaftliche Konflikte beinträchtigen die Gesundheit ALLER in einer Gesellschaft lebenden Menschen.

Nicht nur diejenigen, welche sich ganz unten befinden sind davon betroffen, sondern auch die Gesundheit jener, die ganz oben auf der Leiter stehen, wird dadurch negativ beeinflusst.

In Bezug auf Asylwerbende finden sich viele Gemeinden in der Situation, dass sie kaum oder nur wenig Mitspracherecht bei der Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden haben. Sowohl die Gemeindepolitikerinnen und Gemeindepolitiker, als auch die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich übergangen. Auf der einen Seite gibt es Menschen, die sofort ehrenamtlich Hilfe für die Schutzsuchenden organisieren. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, deren Sorge und Ängste gegenüber der neuen Situation und den „Fremden“ in ihrer Gemeinde wächst. Geschürt werden beide Seiten zusätzlich durch eine permanente Berichterstattung der Medien, die meistens aufregt.

Während die ehrenamtlichen Helfer in der Gefahr sind, sich auszupowern, entwickeln andere Gruppen intolerante Einstellungen gegenüber den Asylwerbenden. Das führt zu Konflikten innerhalb der Bevölkerung und der Gemeinde.

Die Schutzsuchenden andererseits sind zu einem großen Teil kriegstraumatisiert, haben keine Aufgabe, keine Zukunftsperspektiven, sind nicht mobil und sind vor allem nicht mehr Teil ihrer vertrauten Umgebung.

FlüGGe will genau hier einen Beitrag leisten, um Spannungsfelder abzubauen und ein wertschätzendes gemeinsames Miteinander  fördern.

Diversität, die Vielfalt einer lebendigen Gesellschaft, wird von vielen Menschen nicht als Mehrwert, sondern zunehmend als Bedrohung gesehen. Das macht Angst – und Angst macht ebenfalls krank.

FlüGGe sieht Diversität (die Vielfalt an Menschen) als Teil der Gesundheitsförderung. Menschen und Gesellschaften sind vielfältig und werden immer bunter. Die Möglichkeiten (Ressourcen) einer Gemeinde werden breiter und die Chance liegt in deren Erkennung und Nutzung in einer gemeinsamen Gestaltung der eigenen Lebenswelt.

Dafür braucht es Vertrauen, welches wiederum das naturgegebene Verantwortungsgefühl in jeder/m Einzelnen stärkt.

 

Unsere Aktivitäten:

  • Prozessbegleitung in 3 Partnergemeinden:
    Burgenland: Hirm
    Kärnten: Ossiach
    Steiermark: Leibnitz
  • Transfer – Vernetzung – Austausch
  • mit Menschen
  • mit anderen Gemeinden
  • mit Organisationen und Institutionen
  • mit politisch Verantwortlichen: kommunal, regional, auf Landes- und Bundesebene, international.

 

unterstützt von: